Kodex der Advokatenkanzlei

 
  • ein Vertrag wird nicht geschrieben, kopiert, aber als Netz geschaffen, in dem die beiden Seiten gleich stecken bleiben sollten
  • falls man irgendwo etwas auslässt, muss man dann auf der anderen Seite zugeben
  • schließ deine Augen – und stell Dir den ganzen Verlauf vor – von Anfang an bis zum Ende, Risiko, Gefahren, Auswirkungen – und diese lös mal!
  • löse die Überflutung in der Wüste Sahara nicht
  • verlasse Dich an das allgemeine Recht, Du bist nicht in Amerika
  • guter Vertrag ist nur der, der beidseitig vorteilhaft ist, nur ein solcher Vertrag wird spontan nachgekommen
  • vorteilhaft, das meint dauernd vorteilhaft
  • nutze die Situation nicht aus. Wenn Du die andere Seite heute anschmierst, dann macht sie alles, um nicht nachzukommen zu müssen, morgen gibt sie es Dir zurück und wird dann auch die anderen gegen Dich aufwiegeln
  • kein Vertrag ist absolut ohne Risiko
  • falls Dich jemand zwingt, seine Bedingungen zu akzeptieren oder den Vertrag nicht zu schließen, bist du kein Partner für ihn. Dann versuche es lieber, ihn nicht zu schließen.
  • den Vorteil hat immer derjenige, der den Vertrag schafft
  • alle Bedingungen können auf verschiedene Art und Weise geäußert werden
  • ändere der anderen Seite den Text ohne wirklichen Grund nicht, versuch es lieber zu ergänzen, präzisieren, einfach gleiche es aus
  • wer sich geistlos an seinen Text hält, der versteht ihn nicht und wird häufig zur Opfer seines eigenen Textes sein
  • benutze die Fremdewörter nicht, sie können auch unterschiedliche Meinung haben, als du denkst
  • überzeuge Dich, dass, das was die andere Seite sagt, ist ernst gemeint und dass sie es wirklich will und dass sie es sich leisten kann. Denke anstatt ihnen!
  • falls du keinen Grund siehst, warum die andere Seite den Vertrag mit Dir schließen sollte, dann jemand von euch betrügt
  • der Grund kann man durch nebensächlichen Gründe simulieren
  • das Können in der Schaffung eines Vertrages besteht nicht in der Form nichts lösenden oder künstlich zu komplizierten Bestimmungen nur deswegen, dass die Seiten wüssten, dass sie ohne den Anwalt nicht sein können. Das Können besteht darin, das Problem zu erfassen und deutlich und klar seine Lösung finden zu können
  • diejenigen, die aus dem Vertrag etwas leisten müssen, müssen den Vertrag auch verstehen. Du musst ihnen mindestens dreimal alles erklären, auf die Problem hinweisen, und das betonen, was bei Dir oder bei Ihnen problematisch sein könnte
  • finde mal, unter welche rechtliche Regelung der Vertrag gehört und guck mal ins Gesetz, ob du nicht das vergessen hast, was du nicht vergessen solltest
  • wenn jemanden nicht die Bedingungen eines Vertrages nicht interessieren, es ist verdächtig
  • wenn jemand zu ausführlich seine selbstverständliche Pflichten beschreibt, füllt er mit dieser Art und Weise nur die Platz, wo das stehen sollte, was er übergehen möchte
  • jede bewusste Abweichung von der Tatsächlichkeit macht Erzwingung des Rechts schwieriger und zersplittert sich weiter
  • wenn jemand nicht in den Vertrag das eintragen will, worüber er früher gesprochen hat, dann schließ den Vertrag lieber nicht
  • vor der Unterschreibung überprüfe mal, ob sie mit ihren Versprechen zurechtkommen, bevor du ihnen alles abgibst